Nach monatelanger Abstinenz nun mal wieder ein Eintrag von mir. Meine vertrauten Leser werden glücklich darüber sein.  Ich schreibe den beiden gleich eine Mail.

Während drei Wochen im Jahr kann ich getrost auf eine Nägelkürzungsmaschine verzichten. Drei Wochen im Juli, die für Hundertausende eine heilige Zeit werden, mich inkludiert. Seit gut 5 Jahren verfolge ich die “Grand Boucle”, wie sie liebevoll von ihren Anhängern genannt wird, und seit damals habe ich mich in sie verliebt. Namen wie L’Alpe d’Huez, Mont Ventoux oder Col du Galibier rufen jedesmal Bilder hervor, wie sich die größten, besten, ausdauernsten Sportler der Radsportszene über unbamherzige Pässe quälen, umringt von tausenden begeisterten, ja manchmal verrückten Fans. Auch dieses Jahr hat sie mich wieder gefangen genommen, auch wenn die Rundfahrt heuer ein wenig berechenbar und unüberraschend verlaufen ist. Damit zu meiner Analyse:

Wie oben fett lesbar, zwei Sportsmänner drückten der heurigen Ausgabe gehörig den Stempel auf. Beide haben einen unglaublichen Antritt, der eine auf der Ebenen, der andere am Berg. Beginnen wir mit dem Flachländer: Mark Cavendish, Brite in Diensten von Columbia Highroad. Wie sehr er die letzten 100 Meter dominiert und die namhafte Konkurrenz um Thor Hushovd auf die Ränge verweist, lässt sogar seinen Vorgänger die Kreditkarte aus der Hand fallen lassen und sich ungläubig die Nase reiben. Auch wenn er das Grüne Trikot noch dem Norweger überlassen musste, es ist zu befürchten dass es in den nächsten Jahren bei Massensprints nur um den zweiten Platz geht. Man darf aber nicht außer Acht lassen, was seine Teamkollegen für ihn geleistet haben. Ein Musterbeispiel für ihre Dominanz bei Massenankünften zeigte sich am letzten Tag auf der Champs-Elysee. Als das Peloton an der Flame Rouge vorbei war, formierte sich sofort das Team, um die Sprintvorbereitungen zu treffen. Darunter erfreulicherweise auch ein Österreicher, der einzige, der Paris noch sehen konnte: Bernhard Eisel. Er war mit der Aufgabe bedacht, Mark sicher durch die Etappen zu bringen, bis kurz vors Ziel, den da nahm sich der Namensvetter der Nummer 71 um ihn an: Mark  Renshaw. Selten hat mich ein Anfahrer so beeindruckt, selten soviel zum Sieg beigetragen. Zumindest zwei seiner sechs Triumphe verdankt Cavendish seinen Qualitäten.

Das war der erste Teil meiner Tour-Eindrücke. Der zweite, wichtigere und umfangreichere folgt hoffentlich bald.